Monatsthema Mai: Der physische Körper

5. Körper: „Der physische Körper“

Der physische Körper ist der Tempel des Göttlichen. Dieser verlangt nach Harmonie und Gleichgewicht in allen Bereichen des praktischen Lebens. Er bietet sich selbst an, um die Exzellenz zu erreichen. Die Infrastruktur des Körper-Tempels sind Nerven aus Stahl, seine Ausdehnung ist die Sensitivität eines multidimensionalen Netzwerks des Bewusstseins.

Der fünfte Körper ist eine Brücke – eine kommunikative Verbindung. Dies ist auch das Wesen der Kehle, dem Ausgleichszentrum zwischen Mind und Körper. Es ist ein Punkt der Transformation. Ein Zustand wird für die Entdeckung eines anderen Zustandes geopfert. Das Erstaunliche am physischen Körper ist, dass er – obwohl lediglich aus Materie bestehend – doch in sich den Pfad beinhaltet, der ihn selbst hinaus zum Geist führt. Er ist der Zugang zu oder die Brücke zwischen den Welten. Es ist der Erfahrungsmittelpunkt zwischen den beiden Polaritäten und auch das Lernzentrum, da die Erfahrung unser grösster Lehrer ist.

Auf der Schwelle unseres dualen Bewusstseins zu leben, ist ein heikler Zustand. Dort herrscht eine grosse Sensibilität, die so überwältigend sein kann, dass sie uns in die eine oder andere Ecke des Bewusstseins befördert. Ausserdem erfordert es grosse Präsenz, um in einem ständig in Bewegung befindlichen Zentrum zentriert zu bleiben. Unser Körper kann in diesem Zustand leicht durch die geringste Veränderung – wie wir schlafen, essen oder gehen – aus der Balance geworfen werden. Und wir können versuchen, was wir wollen, wir werden niemals genau bestimmen können, woran das liegt.
Den fünften Körper zu entwickeln, bedeutet auch, die Polaritäten zu erkennen. Das eröffnet die Chance, das Paradox des existierenden Selbst zu erfahren, das durch jeden Versuch, es in Zeit und Raum zu erfahren, zu einem Nicht-Selbst wird.

Solcherlei Einsicht kann zu einem totalen Zusammenbruch der Nervenfunktion bis hin zur Zerstörung der Persönlichkeit führen. Die Furcht vor diesem Zustand bringt die meisten Menschen dazu, hart daran zu arbeiten, ein starkes Gefühl für das eigene Selbst aufrecht zu halten. Die Meisterschaft der fünften Dimension bedeutet, jeden Moment mit einem Selbst zu leben, das ist und doch nicht ist.

Beherrscht von der Frage „Wer bin ich?“ führt uns die fünfte Dimension durch den Kampf mit unserer sich ständig verändernden Identität. Unser schwebendes Zentrum – von dem wir wissen, dass es existiert – widersetzt sich aber allen Versuchen, es festzuhalten. Dialog und Beziehung ist alles in diesem Aspekt unserer Identität. Denn nur dadurch weiss sie von ihrer Existenz. Durch den Einfluss der fünften Dimension ertappen sich manche Menschen dabei, immer wieder Beschreibungen des Universums aufzubauen und wieder zu zerstören. Um etwas zu erreichen, müssen sie zuerst das Gegenteil machen. Das Leben scheint immerzu in sich selbst hinein zu kollabieren und sich aus dem Nichts heraus neu zu manifestieren. So ist der Drang, sich in der Welt zu engagieren ebenso häufig wie der Aufruf dazu, jegliche Aktivitäten einzustellen.

Wenn sich die Geschichten unserer aktiven und passiven Wesensarten immer weiter annähern, dann werden zwei Gesichter zu einem und sprechen dieselbe Sprache. Wenn wir die Erfahrungen pflegen, die durch die fünfte Dimension gemacht werden, können sie sich zu meisterlichen kommunikativen Fähigkeiten entwickeln, die einen guten Lehrer ausmachen. Der Haken liegt darin, dass wir Kommunikation nur lernen, indem wir kommunizieren, und ebenso lernen wir das Lehren nur, wenn wir lehren. Das setzt voraus, dass wir in das Netz von Zeit und Raum eintauchen und unsere Verbindung zu allem und jedem erfahren.

Text: Hari Gun Singh (Quelle: Lass dich von den Zahlen leiten, Shiv Charan Singh)